Lebensversicherung oder bankdepot?

Lebensversicherung oder Bankdepot?

 

Arten von Vorsorgeinstrumenten

Grundsätzlich lässt sich mittels einer Vielzahl von Instrumenten Kapital ansparen, investieren oder anlegen.

 

Bargeld, Sichteinlagen & Sparbuch

Bargeld an sich birgt das Risiko, dass es gestohlen oder zerstört werden kann (z.B. durch Brand) und wird vor allem bei größeren Summen umständlich in der Verwahrung ist sowie keinerlei Verzinsung bietet.

 

Das Bankkonto bzw. das Sparbuch bieten dem Anleger hohe Sicherheit, andererseits jedoch durch das aktuell niedrige Zinsniveau in Verbindung mit einer höheren Inflation nur geringe oder sogar negative Rendite. Dieses Phänomen beleuchten wir unter der Rubrik "Inflation & Zinsen" näher.

 

 

Lebensversicherung

Lebensversicherung - die vielseitige Variante Geld anzulegen

Ablebensversicherung und Er-/ Ablebensversicherung

Bei einer Ablebensversicherung wird im Falle das Ablebens des Versicherungsnehmers (VN) Kapital ausbezahlt. Dies kann u.a. als Absicherungsinstrument für einen Kredit genutzt werden, damit z.B. Familienmitglieder Kreditschulden bedienen können. Eine Variante ist auch die Er-/ Ablebensversicherung, bei der auch im Falle des "Erlebens" des Vertragnehmers Kapital ausbezahlt wird.

 

Klassische Lebensversicherung

Bei der klassischen Lebensversicherung handelt es sich um ein Produkt, bei dem der Versicherungsschutz teilweise oder fast zur Gänze in den Hintergrund rückt und das als Form des Ansparens genutzt wird. Hierbei erhält der VN beim Besparen eine garantierte, fixe Verzinsung über die Vertragslaufzeit (aktuell 0,5 %, Stand Mai 2019) sowie eine mögliche, nicht garantierte Gewinnbeteiligung. Die Investition erfolgt dabei direkt durch die Versicherung in einen Pool aus Vermögensgegenständen, genannt den "Deckungsstock". In den meisten Fällen ist hierbei die Versicherung selbst der Garantiegeber, wodurch im Insolvenzfall der Versicherung Teile oder das gesamte Kapital u.U. nicht zurückbezahlt werden kann.

Die klassische Lebensversicherung eignet sich für Sparer und Investoren die eine hohe Sicherheit, keine Wertschwankungen und dabei nur eine geringe, jedoch dafür garantierte Verzinsung wünschen.

 

Fondsgebundene Lebensversicherung

Ähnlich der klassischen Lebensversicherung wird die "fondsgebundene" Variante in vielen Fällen für den Zweck des Vermögensaufbau genutzt und ein möglicher Versicherungsschutz weitestgehend reduziert um die Kostenbelastung zu senken. Wie der Name vermuten lässt, wird der Sparanteil der Prämie in Investmentfonds eingezahlt. Je nach Produktvariante kann aus risikoärmeren Fonds, gemischten Fonds, bis hin zu reinen Aktienfonds gewählt werden. Manche Anbieter bieten auch eine Wahlmöglichkeit zwischen aktiv gemanagten Fonds und passiven ETFs (Exchange Traded Funds), nachhaltigen oder auch Spezialfonds an. Die fondsgebundene Lebensversicherung eignet sich für Sparer und Investoren, die eine individuelle Ansparform wünschen, je nach Risikoneigung sehr geringe oder auch sehr hohe Wertschwankungen verkraften und eine höhere Rendite als jene der klassischen Lebensversicherung wünschen.

 

Hybride Lebensversicherungen

Hierbei handelt es sich um eine Mischform aus "klassischer" und "fondsgebundener" Lebensversicherung. In den meisten Produkten wird zumindest ein gewisser Mindestanteil des Sparanteils der Prämie in den oben beschriebenen "Deckungsstock" investiert und der Rest je nach Risikoneigung in die verfügbaren Fonds.

 

Kosten

Achten sollten Sie bei der Wahl des passenden Produktes auch auf die Kosten. Es gibt im Wesentlichen drei Bestandteile, die die Kosten erhöhen und Ihre Rendite somit reduzieren:

  1. Produktkosten: Hier gibt es je nach Serviceumfang Unterschiede zwischen den Anbietern am Markt
  2. Versicherungskosten: Je nach Art und Höhe des gewählten Versicherungsschutzes wird ein Teil Ihrer Prämie hierfür aufgewendet. Das kann gerade bei hohen Versicherungssummen die Höhe des auszubezahlenden Kapitals deutlich verringern.
  3. Externe Kosten - laufende Fondsgebühr: Wie bei der klassischen Lebensversicherung Kosten für die Verwaltung des Kapitals anfallen, fällt diese bei der fondsgebundenen Lebensversicherung extern an. Wird ein Fonds bespart, wird oftmals ein Prozentsatz des investierten Kapitals laufend zur Kostendeckung (Fondsmanager, Verwaltungskosten der Investmentgesellschaft, etc.) entnommen.

Damit Sie das Kapital erhalten, welches Sie einbezahlt haben, muss Ihre Investition u.a. diese Kosten, sowie zusätzlich die Versicherungssteuer erwirtschaften. Der darüber hinaus erwirtschaftete Ertrag fließt zu 100% Ihnen zu und muss nicht mehr versteuert werden.

bankdepot

Für wen ist das Bankdepot die geeignete Variante?

 

Für wen ist das Bankdepot die geeignete Variante?

Ähnlich wie bei einer Lebensversicherung können Sie bei den meisten Banken ein Depot einrichten, über welches Sie jedoch nicht nur Fonds, sondern jegliche Wertpapiere wie Einzelaktien oder auch Derivate erwerben können. Das Bankdepot eignet sich dadurch besser für jene Kunden, welche gezielt einzelne Wertpapiere kaufen möchten oder grundsätzlich auf eine größere Vielfalt an Produkten wie Zertifikate, Anleihen etc. zugreifen wollen.

 

Kosten

Wie bei einer Lebensversicherung fallen auch durch das Bankdepot beim Erwerb von Fonds Kosten an. Im Wesentlichen sind das folgende:

  1. Depotkosten: Hierbei fallen allgemeine Gebühren für die Einrichtung und den laufenden Betrieb an
  2. Handelskosten: Dadurch, dass die Fonds direkt bei Börsen gekauft werden, fallen i.d.R. Börsengebühren oder sonstige Spesen an
  3. Externe Kosten - Ausgabeaufschlag/ Rücknahmeabschlag: Bei vielen Fonds fällt eine einmalige Gebühr beim Kauf oder Verkauf eines Fonds an.
  4. Externe Kosten- laufende Fondsgebühr: Wird ein Fonds bespart, wird oftmals ein Prozentsatz des investierten Kapitals laufend zur Kostendeckung (Fondsmanager, Verwaltungskosten der Investmentgesellschaft, etc.) entnommen.

Wie bei einer Lebensversicherung müssen diese Kosten von Ihrer Investition erwirtschaftet werden, damit Sie Ihr einbezahltes Kapital wieder zurückerhalten. Gewinne welche Sie darüber hinaus erhalten, müssen jedoch außerdem noch mit 27,5% Kapitalertragsteuer endbesteuert werden.

 

Für jene Kunden die mittels Fonds vorsorgen möchten, eignet sich somit das Bankdepot und die Lebensversicherung unter diesen Gesichtspunkten gleichermaßen.

Worauf kommt es an?

 

Allgemeines

Grundsätzlich muss natürlich jeder Vergleich individuell auf Basis der persönlichen Umstände erstellt werden, da sehr viele Faktoren mitspielen. Vor allem die Kosten können eine wesentliche Rolle spielen. Während ein günstiges Versicherungsprodukt aus Sicht der Kosten in vielen Fällen die bessere Alternative zum klassischen Bankdepot darstellt, kann ein günstiger online Broker die bessere Wahl gegenüber einem kostenintensiveren Versicherungsprodukt sein.

 

Deshalb muss im Wesentlichen berücksichtigt werden, ob weitere Aspekte wie ein möglicher Versicherungsschutz relevant sind oder welche Auswirkungen steuerliche Aspekte sowie die Laufzeit in der persönlichen Situation haben.

 

Steuerliche Aspekte

Bei einer Lebensversicherung fallen i.d.R. 4% Versicherungssteuer an, bei einem Bankdepot 27,5% Kapitalertragsteuer. Jedoch gibt es wesentliche Unterschiede:

  • Die 4%ige Versicherungssteuer wird auf die gesamte einbezahlte Prämie fällig
  • Die 27,5%ige Kapitalertragsteuer wir auf die Gewinne fällig, nicht auf das einbezahlte Kapital

Laufzeit

Auch die Dauer für die Sie ansparen beziehungsweise investieren wollen, ist entscheidend, denn Kapitalsteigerungen brauchen Zeit. Das hat Auswirkung darauf,  "wie schnell" z.B. eine Versicherungssteuer wieder eingenommen werden kann, oder wie viel Ertrag eingesteht, denn grundsätzlich gilt:

  • Die 4%ige Versicherungssteuer wird sofort fällig
  • Die 27,5%ige Kapitalertragsteuer wird erst fällig wenn Gewinne realisiert wurden

Was bedeutet das für den direkten Vergleich?

Im Allgemeinen wirken sich diese Punkte stärker negativ oder stärker positiv auf, basierend auf:

  1. Wie lange Sie ansparen/ investieren
  2. Wie viel Ertrag Sie generieren

Verständlich wird dies anhand nachfolgender Beispiele. Zum einfacheren Verständnis haben wir für eine vereinfachte Darstellung laufende Gesamtkosten von 2% p.a. endfällig angenommen:

Beispiel 1 -  Einfluss der Laufzeit

Laufzeit: 35 Jahre

Ansparbetrag: 150€ p.M.

Angenommene Verzinsung: 4%

Ergebnis nach 35 Jahren

Versicherung: 86 557,78€

Bankdepot: 82 589,57€

Plus von 4,8% in der Versicherung

Beispiel 2 - Einfluss der Laufzeit

Laufzeit: 5 Jahre

Ansparbetrag: 150€ p.M.

Angenommene Verzinsung: 4%

Ergebnis nach 5 Jahren

Versicherung: 9 091,75€

Bankdepot: 9 330,18€

Plus von 2,62% im Bankdepot



Beispiel 1 -  Einfluss der Rendite

Laufzeit: 35 Jahre

Ansparbetrag: 150€ p.M.

Angenommene Verzinsung: 2,5%

Ergebnis nach 35 Jahren

Versicherung: 65 877,40€

Bankdepot: 66 996,56€

Plus von 1,7% im Bankdepot

Beispiel 2 - Einfluss der Rendite 

Laufzeit: 35 Jahre

Ansparbetrag: 150€ p.M.

Angenommene Verzinsung: 6%

Ergebnis nach 35 Jahren

Versicherung: 127 816,17€

Bankdepot: 113 698,39€

Plus von 12,4% in der Versicherung


 

Ergebnis Laufzeit

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass unter gleichen Umständen eine längere Laufzeit für die Lebensversicherung spricht, bei kürzeren Laufzeiten eher das Bankdepot die bessere Wahl darstellt. Grund hierfür ist, dass durch das "Vorabbezahlen" der Versicherungssteuer der Start für diese schwerer fällt und diese Variante erst zum Ende hin die Vorteile einer Endbesteuerung ausspielen kann.

 

Ergebnis Rendite

Auch wenn wir vorab nicht wissen, wie hoch die Rendite ausfallen wird, kann grundsätzlich gesagt werden, dass mit geringerem Risiko die Rendite langfristig geringer ausfallen wird als mit riskanteren Wertpapieren. Am Bankdepot besteht durch die geringere Rendite und der damit geringeren Steuerpflicht ein kleiner Vorteil wenn es um sichere Anlagen und Investitionen geht. Die Lebensversicherung ist durch Ihre Endbesteuerung mit 4% gerade bei höheren Renditen die bessere Wahl.

 

Somit kann als übergeordneter Richtwert folgende Faustregel herangezogen werden:

  • Geringe Laufzeit - Geringes Risiko/Geringe Renditeerwartung => Bankdepot
  • Geringe Laufzeit - Hohes Risiko/Hohe Renditeerwartung => Bankdepot/ Lebensversicherung
  • Lange Laufzeit - Geringes Risiko/Geringe Renditeerwartung => Bankdepot/ Lebensversicherung
  • Lange Laufzeit - Hohes Risiko/Hohe Renditeerwartung => Lebensversicherung

Was Risiko ist, was es für Sie bedeutet und wie Sie damit umgehen sollten erfahren Sie hier:

Vorgehensweise


Fazit

Es muss individuell beleuchtet werden ob die Lebensversicherung oder das Bankdepot die bessere Wahl ist. Bei kurzfristigen Anlagen ist dem Bankdepot Vorzug zu geben. Langfristig wie zum Beispiel bei der Pensionsvorsorge ist  die Versicherung das bessere Instrument. 

Was man machen...

Überlegen Sie Sich ob sie kurz- oder langfristige Anlagen möchten und ob Sie bereit sind das Risiko für einen hohen Ertrag für den Vermögensaufbau einzugehen oder lieber kein Risiko eingehen möchten und auch mit geringerem Ertrag zufrieden sind.

...nicht machen sollte

Investieren Sie nicht in eine Lebensversicherung wenn Sie die langfristige Laufzeit finanziell nicht durchhalten.